Mittelalter

Erst im ausgehenden Mittelalter kamen bei uns sogenannte Standesboten auf. In der vorhergegangenen Zwischenzeit und auch noch lange danach wurden Mitteilungen verlässlichen Personen — Kaufleuten, Reisenden etc. — mitgegeben oder eigenes Personal mit der Überbringung beauftragt.

Die Standesboten bildeten erstmals eine effektive «Berufsgruppe», die einzelne Stände (heute Kantone), bestimmte Städte und adlige Herren eigens für diese staatlichen Botengänge nutzten.
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Der Zürcher Standesläufer übergibt seinem hohen Bürgermeister die Nachricht vom Sieg der Eidgenossen bei der Schlacht von Dornach 1499. Im Mittelalter wurden Formen streng befolgt: Der Bote überreicht das Schreiben höflichkeitshalber mit der rechten Hand und hebt dabei gr üssend seinen Hut.

Wie wir aber wissen, war bereits in dieser Zeit die Nachfrage nach privater Postbeförderung vorhanden: So mussten in einem Erlass des Rats des Standes Zürich vom 20. September 1347 die Standeisläufer daran erinnert werden, dass die amtlichen Mitteilungen vorrangig vor allem anderen zu befördern seien — und sei der Privatauftrag auch noch so gut honoriert.

Aber auch durch Fuhrleute, Schiffer, Kaufleute und Angehörige des Metzgerstandes wurden private Botendienste besorgt. Diese kamen durch ihr Gewerbe weit im Land herum. Die Metzger, welche regelmäßig auf Wochen-Märkte fuhren und daher für Botendienste besonders geeignet waren, bedienten sich, um ihre Ankunft anzuzeigen, der Hörner geschlachteter Tiere; diese Hörner dürfen somit wohl als Vorläufer der späteren Posthörner betrachtet werden.

Über die Alpenpässe erfolgte die Beförderung von Waren. Briefen und Personen etappenweise. An den Postrelais, wo frische Kräfte bereitstanden, wurden zum Schutz und zur Unterkunft der ankommenden Kuriere, Reiterboten und Fuhrwerke Herbergen mit Stallungen und Remisen erstellt. Diese Stationen. die schon zur Römerzeit «positiones», später «statioposita» genannt wurden, bezeichnete man im Mittelalter als «Posten», und mit der Zeit wurde der Ausdruck «Post» für die gesamte Beförderungsorganisation übernommen.

Standes- oder Amtsboten gingen fast immer zu Fuss, selbst in Kriegszeiten, als zum Teil effektive Läuferstafetten eingerichtet wurden wie z. B. durch die Bernertruppen 1513: von Novara über den Gimselpass nach Bern. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden vermehrt berittene Boten beschäftigt