Die Küsnachter Post

Für die regelmäßige Verbindung zwischen Küsnacht und der Stadt sorgte schon im 17. Jahrhundert das «Määrtschiff». Es fuhr jeden Freitag von Rapperswil nach Zürich und besaß einen speziellen Schiffskasten für den Transport von Paketen und Briefschaften. Man ruderte immer hart dem Ufer entlang, weil man hier sicherer vor dem Sturm war. Zugleich konnte man Ausschau halten, ob nicht auf einem Landungspfahl ein «Mässli Wii» bereitstand zum Zeichen, dass jemand einen Botendienst wünsche. Wegen mancher «Seegfröörni» musste der Schiffsverkehr für Wochen eingestellt und die Waren mit Wagen auf den engen Landstrassen oder auf dem gefrorenen See befördert werden. Seit Beginn des 17. Jahrhunderts verkehrten an bestimmten Wochentagen sogenannte «Ordinary-Schiffe» nach einem festen Fahrplan. Als Umschlagplatz für Güter diente in Küsnacht die Zehntenhabe.


Neben dem «Määrtschiff» besorgten Zürichboten sowohl zu Lande wie zu Wasser den Waren- und Postaustausch zwischen Küsnacht und der Stadt. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts verkehrte als Bote auf dem Wasserweg ein Schiffer Frymann. Den Botendienst zu Lande sollen im letzten Jahrhundert folgende vom Gemeinderat autorisierte Zürichboten besorgt haben: bis 1809 ein Jakob Trüb, dann ein Jakob Schoch und vor 1835 ein gewisser Trümpler, der für seine Botengänge einen Handwagen, dann auch einen Bogenwagen mit Hundegespann benützte. Nach 1835 war Johann Jakob Gimpert, der Vater der späteren Mechaniker Gebrüder Gimpert, mit diesem Amt betraut und ab 1854 der Spezereihändler Heinrich Gimpert; zuletzt fuhr dieser sogar mit dreispännigem Pferdegespann zur Stadt. Als letzter Bote übernahm Rudolf Gimpert 1898 das Geschäft von seinem Vater, wobei dieser freie Botendienst mit der offiziellen Post nichts mehr zu tun hatte.

An Transportgütern zur Stadt finden wir Hohrücken und Tierhäute, sowie Fässchen und Korbflaschen mit Wein, Most und Schnäpsen.

Aus der Stadt wurden mitgebracht: Medikamente und Drogen für die Chirurgen und später auch für die Drogerie Schnider an der Fähnlibrunnenstrasse, Bücher und Lehrmittel für das Seminar aus den Buchhandlungen Schulthess und Beer, die Lesemappe für die Mitglieder des Lesezirkels Hottingen und an privaten Aufträgen vieles andere mehr. Mangels genügenden Futters für die beiden Pferde kaufte der Bote Rudolf Gimpert während des Ersten Weltkrieges ein Elektromobil. Der Standplatz in der Stadt befand sich für die Zürichboten vom See beim Münsterhof.