Küsnachter Briefträger
vor der Jahrhundertwende

In den Jahren 1863 bis 1875 war Wilhelm Bleuler-Schwarzenbach, wohnhaft im Oberen Heslibach, der einzige Briefträger im Tal. Seine Frau Anna und die noch schulpflichtige Tochter Emma wurden in den Dienst hart eingespannt.

Die Post war täglich einmal, im engeren Dorfkern aber dreimal auszutragen. Der Berg wurde von der Forch aus bedient, die Schmalzgrub (übrigens bis 1960) von Zumikon aus, während die Gehöfte Wolentbehren und Hohrüti damals zum Postkreis Tal gehörten (früher auch Limberg und Wiserholz). Die Tour in den Berg und nach Itschnach, welche wegen der vor hundert Jahren noch spärlichen Post allerdings kaum alle Tage ausgeführt werden musste, war dem Töchterchen Emma zugeteilt, das den Weg am Abend nach der Schule unter die Füße zu nehmen hatte. Zum Leidwesen der jungen Postbotin bestellte ein Hausbewohner der damaligen Wirtschaft «Zum Wohlentbehren» die «NZZ», die täglich bei Wind und Wetter, auch bei winterlichem Schneetreiben, auszutragen war. Damals war es noch üblich, dass der Empfänger das Briefporto zu bezahlen hatte. Bei einem Landwirt in Itschnach, der in ärmlichen Verhältnissen gelebt haben muss, soll das Porto von 5 Rappen selten aufzutreiben gewesen sein. Die Briefbotin hatte die bestimmte Anweisung, bei Nichtbezahlung den Brief wieder auf die Post zurückzubringen. Der Itschner Bauer hatte dann den Brief im Postbüro an der Seestrasse abzuholen.

Bei den gelegentlich nötig werdenden Kuraufenthalten von Vater Bleuler lag die Bürde des Zustelldienstes ganz auf seiner Frau. Das 'Monatsgehalt soll 90 Franken betragen haben, dazu kam in getrenntem Auftrag das Vertragen der «NZZ», das im Monat weitere 10 Franken eintrug.

Noch während der Anstellung von Wilhelm Bleuler trat Hermann Pfister-Schenk in den Dienst der Post. Das Schulkind Emma Bleuler wurde damit — nicht zu seinem Leidwesen seiner Botenpflicht enthoben. Der neue Briefträger Hermann Pfister wohnte am Rennweg direkt gegenüber der damaligen Post; er war der Vater der in hohem Alter verstorbenen Frau Emilie Halbauer-Pfister. Als zweiter Briefträger amtete in den Jahren der Überschwemmung von 1878 ein Heinrich Kuhn. Sein Name ist uns durch die Anmeldung eines erlittenen Überschwemmungsschadens von 200 Franken überliefert. Er ist dann vermutlich durch Heinrich Pfister-Gut, den älteren Bruder von Hermann Pfister, abgelöst worden. Dieser wohnte im kleinen Häuschen nördlich des «Schweizerhofs»; er war der Großvater des verdienten Gemeindebeamten Henri Pfister-Sennhauser. Die beiden Briefträger Pfister versahen bis über die Jahrhundertwende hinaus den Postzustelldienst in der Gemeinde. Sie waren die Vorgänger und zum Teil Amtskollegen der langjährigen Briefträger Jean Zimmermann (seit 1894), Heinrich Kunz (seit 1895) und Jakob Egli (seit 1896), an die sich die ältere Generation unserer Mitbürger noch gerne erinnert.

Im Jahre 1890 zügelte die Post von der Wirtschaft «Zur Post», welche darauf den Namen «Zur alten Post» annahm, in das neuerstellte Nachbarhaus südlich des Dorfbachs. Dieses Haus (heute Seestrasse 133) ging 1901 von Metzgermeister Enderli an den Fotografen Georg Pfaff-Eschmann über. Sein Sohn, alt Sekundarlehrer Georg Pfaff-Wettstein in Meilen, erinnert sich an den Erdgeschossraum des neu bezogenen Hauses mit Merkmalen des ehemaligen Postlokals. Dieses war von der Straßenseite über einige Stufen zu erreichen. Die Post befand sich aber nur drei Jahre in diesem Haus.

Briefträger in der ersten Jahrhunderthälfte

Aufnahme G.Pfaff-Eschmann, 1916

Jakob Ryffel
1901—1945
Emil Fuchs
1905—1943
Jakob Egli
1896—1936
Gotthilf Pfister
1912—1952

Gustav Fischer
1910—1950
Jean Zimmermann
1894—1919

Heinrich Kunz
1895—1932
Eduard Hermatschweiler
1902—1942