Baubeginn und Bankrott

Nachdem Ende April 1871 im Löwen in Meilen ein Baukomitee gebildet worden war, konnte 1875 mit dem Bau der rechtsufrigen Zürichseelinie begonnen werden. Doch schon zwei Jahre später lähmte eine Finanzkrise der Nordostbahn (NOB) den Bahnbau völlig.

Präsident der «Gesellschaft zur Begründung einer rechtsufrigen Zürichseebahn» war zunächst Kantonsrat Walder (Männedorf) und später Kantonsrat Brennwald (Hombrechtikon). Als Vizepräsident amtierte Nationalrat Johann Jakob Abegg (Küsnacht), als Quästor H. Schnorf-Flury (Uetikon) und als Aktuar Nationalrat Amsler (Meilen), also alles Leute mit Rang und Namen.

Die Baukosten für die Strecke Zürich-Rapperswil wurden auf 14, 2 Millionen Franken geschätzt, woran Kanton, Stadt und Seegemeinden 5 Millionen beitragen wollten.

Die bald darauf begonnenen Bauarbeiten fanden aber schon in Kürze einen Unterbruch, da eine Finanzkrise die Nordostbahn erschütterte. Die Bevölkerung des rechten Zürichseeufers kämpfte mit aller Kraft für die Weiterführung der eben begonnenen Bauarbeiten. Die «Thurgauer Zeitung» schrieb dazu: «Mit Unwillen liest jeder Unbefangene das Gebaren der borstigen Vertreter der Gemeinden des rechten Seeufers in Bern.» Während in den meisten Gemeinden der Standort des Bahnhofs zu keinen Diskussionen Anlass gab, prallten die Meinungen in Küsnacht und in Herrliberg recht hart aufeinander. An der Gemeindeversammlung vom 29. Dezember 1889, welche auf 14 Uhr in der Kirche angesetzt war, entstanden grosse Meinungsverschiedenheiten bei der Frage, ob das Stationsgebäude unterhalb oder oberhalb der Bahnlinie gebaut werden solle. Schliesslich siegten die Verfechter seeseits, welche argumentierten, dass es hier «noch Baugrund genug» habe. Die Seegfröörni von 1890 förderte den Bahnbau noch zusätzlich, da zeitweise alle herkömmlichen Verkehrsmittel unbenutzbar waren. So konnte am 12. März 1894 die amtliche Abnahme der Bahnlinie (Kollaudation) vorgenommen werden.