Bahneröffnung am 15. März 1894

Die auf Mittwoch, 14. März 1894 angesetzte Einweihung der 30.27 km langen Teilstrecke Stadelhofen-Rapperswil hatte einen recht feuchten Anfang genommen: Es regnete wie aus Giesskannen. Mit dem Dampfschiff «Concordia» trafen die geladenen Gäste aus den Seegemeinden in Zürich ein. Nach dem Anhören einer ersten Rede von Stadtpräsident Pestalozzi strebten die Gäste bereits leicht feucht der Station Stadelhofen zu, wo um 12.20 Uhr ein Eisenbahnzug mit zwei bekränzten Lokomotiven und 14 Wagen 1. und 2. Klasse seeaufwärts losfuhr.


Den Herzenswunsch der Einwohner von Zollikon umschrieb die folgende Inschrift:

Kommt, ihr Städter, nun in Schaaren

Mit der Bahn heraufgefahren!

Lasst die Steuern, lasst den Staub,

Wohnet hier im grünen Laub!

Baut hier Häuser, Villen fein -

Zollikon muss grösser sein.

In Küsnacht hatte sich der Sonnen-Wirt etwas Besonderes einfallen lassen: Er liess bei der Druckerei Hofer & Burger in Zürich eine Papierserviette drucken, auf der Küsnacht recht bescheiden als Knotenpunkt des Weltverkehrs bezeichnet wurde. Wer`s nicht glauben wollte, fand eine Windrose vor mit den Städten Petersburg im Norden, Wien im Osten, Mailand im Süden, Marseille im Westen und - ja eben - Küsnacht im Mittelpunkt.


In Herrliberg hatte man aber bereits am Morgen schwarze Fahnen und Flaggen ausgehängt und im Unter-Grüt über einer Stützmauer zwei Masken (Bööggen) aufgestellt, welche mit herausgestreckter Zunge dem vorüberfahrenden Festzug das Missfallen über die in der Nachbargemeinde gebaute Station versinnbildlichen sollten. Beim Eindunkeln kam nun die Idee auf, die beiden Bööggen zu beleuchten. Schnell hatte man einige Torfstücke beschafft, mit Petrol begossen und an Rebstricken aufgehängt. Wen wunderts, als bei der abendlichen Rückfahrt des Extrazuges plötzlich brennende Torfstücke auf die Eisenbahnwagen geworfen wurden und durch Steinwürfe gar einige Scheiben in Brüche gingen!


Vom 15. März 1894 an standen dann acht Züge je Richtung zur Verfügung, welche die Strecke von Stadelhofen nach Rapperswil in 67 bis 75 Minuten zurücklegten.


Am 1. Oktober 1894 war es dann soweit, dass auch das 5, 7 Kilometer lange Teilstück Stadelhofen-Hauptbahnhof in Betrieb genommen werden konnte. Die Kosten beliefen sich auf insgesamt 21, 175 Millionen Franken.


Beim Aufstellen des ersten Fahrplans hatte die Nordostbahn offensichtlich die Wünsche der Seebewohner nur teilweise berücksichtigt. Auf Sonntag, 16. Juli 1893 wurde im Restaurant Sonne in Küsnacht eine Besprechung anberaumt, zu der man auch den «hochlöblichen Gemeinderat Küsnacht» - zusammen mit Vertretern der übrigen Seegemeinden - eingeladen hatte. Als grosser Mangel wurde empfunden, dass der erste Zug seeabwärts erst um 7.41 Uhr in Stadelhofen eintreffen sollte und abends zwischen 18.14 und 21.10 Uhr kein Zug seeaufwärts fahren sollte. Durch Verlegen einiger Züge konnten die Begehren grösstenteils erfüllt werden.


Aufs Neujahr 1902 wurde dann die Rechtsufrige ins Netz der eben gegründeten Schweizerischen Bundesbahnen einverleibt.