Vor unserer Tür: das Küsnachter Tobel

Vom See her gut sichtbar liegt das bewaldete, durch den Dorfbach tief eingeschnittene Küsnachter Tobel. Es teilt unsere Gemeinde in Allmend- und Schübelgebiet. Der sich dem See anschmiegende sonnige Hang des Pfannenstiels bildete einst die seitliche Grenze und Wallmoräne des Linthgletschers. Aus dieser Zeit, der letzten grossen Eiszeit vor rund 18'000 Jahren, stammen die grossen erratischen Blöcke, die sich oft beim Haus- und Strassenbau finden, sog. Findlinge. Diese Gesteinstrümmer wurden auf dem Gletscherrücken, aber auch auf dessen Sohle, von den Alpen bis hierher transportiert. Die Findlinge am rechten Seeufer stammen aus dem Sernftal und vom östlichen Hang des Glarner Linthtals.

Das darunterliegende Hanggestein, das durch die tief eingeschnittenen Tobelwände sichtbar wird, ist wesentlich älter. Es handelt sich dabei um die "Obere Süsswassermolasse" der Tertiärzeit, einer Zeit vor rund 18'000'000 Jahren.

Beim Gang durch das Tobel stossen wir im unteren Teil immer wieder auf zwei Erscheinungsformen des Gesteins.

Viele der Steilwände zeigen harte, kantige Sandsteinlagen. Dazwischen finden wir weiche, ausgewaschene, teilweise mit Ton vermischte Mergelbänke. Der Vergleich einer Cremeschnitte drängt sich auf, wobei der weiche, tonige Mergel, der durch Regen, Eis und Pflanzen rascher abgebaut wird, die Creme darstellen würde. Die Blätterteiglagen hingegen wären die harten, kalkhaltigeren Sandsteinschichten.

Die andere, gut zu beobachtende Gesteinsformation besteht aus weichen, mergel- und tonhaltigen Hängen, aus denen, wie Brotlaibe, rundliche Kalksandsteine, sog. "Knauer", vorstehen.

Diese Gesteinsvorkommen sind trotz der vielen Bachkorrekturen am Bachlauf gut ersichtlich. Der Tobelbach fliesst teilweise direkt auf den harten Sandsteinlagen und bricht dann über kleinere oder grössere Wasserfallstufen abrupt auf die nächste, tiefer liegende harte Schicht ab.

Der gleiche Umstand führt auch dazu, dass immer wieder Hangteile nachrutschen und den Tobelweg, aber auch den Bach verschütten.


Im oberen Teil des Tobels ändert sich das Gesteinsbild. Hier herrscht Nagelfluh vor, die aus grossen und kleinen Bachkieseln zusammengekittet ist. Die Nagelfluh wurde in einer vorzeitlichen, quer zum Hang liegenden Rinne abgelagert. Sie ist jünger als die umgebende Molasse, aber älter als der Gletscherschutt der frühesten Eiszeit.

Die sogenannte Drachenhöhle, aber auch die umliegenden, rundlichen Gesteinsformationen sind alle aus diesem grob gerundeten Schwemm-material gebildet.


Im Tobel selbst findet man vereinzelt grosse Gesteinstrümmer; dies sind Findlinge aus der Gletscherzeit. Ihre Lage im Tobel ist neuzeitlich, d.h. ursprünglich lagen sie am Tobelrand und erst durch die Wassererosion rutschten sie hinunter ins Tobel. Der grösste Findling ist sicher der rund 260 Tonnen wiegende Alexanderstein. Eine aus der Region zusammengestellte Auswahl von verschiedenen Findlingen befindet sich direkt am Tobelausgang.


Die letzte zu beobachtende Gesteinsbildung ist der Sinter oder Tuff. Bei den kleinen Wasserfällen der Seitenbäche finden sich oft harte Kalkkrusten, die neue Gesteinsschichten bilden. Der vom Wasser gelöste Kalk wird in tieferen Regionen, z.B. hier im Tobel, wieder abgelagert. Mit etwas Glück finden sich hier schöne Blattabdrücke des vergangenen Herbstlaubs.


Echte Versteinerungen finden sich im Tobel aber nur an wenigen, teilweise gefährlichen Rutsch- und Steinschlaghängen.

Sie sind auch hier die letzten Zeugen von grossflächigen Seen, urwüchsigen Pflanzen und einer vergangenen Tierwelt. Vor rund dreissig Jahren fanden zwei Knaben Knochenreste von einem nashomartigen Tier, das vor mehr als 15'000'000 Jahren im Gebiet des heutigen Küsnachter Tobels gestorben ist.