Die Glarner Schieferfossilien - Funde

Seit altersher wurde am Fusse des Landes-Plattenbergs beim Dorf Engi im Sernftal Schiefer für Bauzwecke (Dach- und Bodenplatten) wie auch für Schreibtafeln abgebaut. Beim Spalten des Schiefers zu Platten kamen immer wieder verschiedene "Abdrücke" von Fischskeletten zum Vorschein. Diese Fischresten wurden von mehreren Geologen des 19.Jh., insbesondere von Prof. L. Agassiz, beschrieben und eine Vielzahl von Arten bestimmt. Zu der Zeit, als Alexander Wettstein am Polytechnikum Zürich, der heutigen ETH, unter Prof. A. Heim studierte, wurde die Fundstelle bei Matt als überaus artenreich taxiert und man unterschied 53 Typusexemplare. Verschiedene grosse europäische Universitäten und Museen hatten dieses Material bearbeitet, z.B. in Mailand und auch im British Natural History Museum in London.

Der junger Küsnachter Doktorand sichtete die grossen Sammlungsbestände des Poly. Er stellte dabei fest, dass, wenn man nicht nur die jeweils schönsten Exemplare betrachtete, sondern auch schlecht oder teilweise erhaltene Fundstücke hinzufügte, eine exakte Artenbestimmung nicht mehr möglich war. Die scheinbar arttypischen Merkmale wurden durch verschiedenste Mischformen laufend dereguliert. Da gab es zum Beispiel längliche und ovale Fischexemplare, die eindeutig die gleiche Art darstellten. Nach längeren, gründlichen Vergleichen und mathematisch-geometrischen Berechnungen konnte Alexander Wettstein beweisen, dass die Mehrzahl der bisher beschriebenen Arten sich auf wenige Stammformen reduzieren liess. Der Irrtum seiner hochkarätigen Vorgänger beruhte auf dem Nichteinbeziehen der geologischen Tektonik, d.h. die verschiedenen im Schiefer eingebetteten Fischreste wurden nachträglich durch Gesteinsverschiebungen entweder gestreckt, windschief verschoben oder regelrecht zusammengestaucht, je nach ihrer Lage zur Streckungsrichtung des Gesteins. Dies ergab für den flüchtigen Beobachter die durch Deformation bedingte Vielzahl verschiedener, ähnlicher Formen.

Wie Alexander Wettstein in seiner Dissertation mit Akribie und glasklarer Logik seine Vorgänger schrittweise widerlegte und seine Theorie, Stein für Stein aufeinanderfügend, darlegte, zeigt nicht nur eine aussergewöhnliche Begabung, sondern auch eine sehr starke Persönlichkeit.