Zeittafel

Eine eigentliche Entwicklungsgeschichte von Stock und Schirm gibt es nicht. Stöcke wurden weltweit in mannigfacher Form seit der Frühzeit des Menschen verwendet.

Der Schirm ist ebenfalls seit der Antike nachgewiesen. Auf babylonischen Felsreliefs finden sich beschirmte Würdenträger, wie sich auch im Schirm-Schatten räkelnde griechische Sportler auf Scherben bemalter Tonvasen bis auf die heutige Zeit erhalten haben.

Damit ist bereits angedeutet, Schirm und Stock sind keineswegs nur Nutzgeräte. Seit jeher ergibt sich die Aufteilung in Machtsymbol, Statussymbol einer gehobenen Bevölkerungsschicht und in reine Nutzobjekte wie das bekannte Beispiel des Regenschirms.

Den Schirm als Nutzobjekt bekamen seefahrende europäische Nationen schon recht früh zu Gesicht und lernten ihn als Sonnenschirm spätestens ab dem 16. Jahrhundert selbst schätzen und gebrauchen.

Die Verbreitung in Europa erfolgte daher über südliche Länder wie Portugal, Spanien, Türkei über das Gebiet des Balkans nach Italien. Im Vatikan war der Schirm seit dem 12. Jahrhundert als reines Würdezeichen bekannt und in Gebrauch.

Portugal wird als erstes europäisches Land bezeichnet, das selbst Schirme herstellte.

Um 1705 tauchte ein erster Regen-Schirm in England auf und wurde als abstruses Monsterobjekt verlacht, ungeachtet der eigenen vorteilhaften Erfahrungen vieler Engländer in Indien mit den dortigen Sonnenschirmen.

Gleichwohl war der Siegeszug des Regenschirmes in Europa nicht mehr aufzuhalten. Zur gleichen Zeit entstanden die ersten kommerziellen Betriebe zur Schirmherstellung in Frankreich. Der Schirm verbreitet sich schrittweise über ganz Europa, trotz örtlichem, obrigkeitlichem Widerstand.

In der Biedermeierzeit, also in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, trägt der Mann, wenn er keinen Stock trägt, einen grossen Allzweckschirm und die Frau mit ihren übergrossen, die Sicht einschränkenden Randhüten (Schuten) nur ein kleines Schirmchen, das einzig als Accessoire dienen kann.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts werden dann die Damenhüte „sichtfreier“ und damit können auch Frauen einen Schirm effektiv nutzen. Spätestens ab dieser Zeit finden sich ähnlich gestaltete Damen- und Herrenschirme. Die kleinen Accessoire- Schirmchen, Knickers genannt, und weitere, ähnliche Spielarten gibt es noch bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts.