Schenkungen

Die mittelalterlichen Schenkungen an kirchliche Institutionen haben wenig bis nichts mit dem Ablasshandel des ausgehenden Mittelalters zu tun.

Allerdings gab es vielerlei Gründe einer Kirche, einem Kloster oder einem Orden etwas zu schenken. Es können dies zum Beispiel sein:
  • eigene Alterssicherung (Verpflegung und Obdach im Alter, im Klostergästehaus)
  • Unterbringung eines Zweitgeborenen oder einer Tochter (obwohl die Aufnahme in ein Kloster mit Kosten/Schenkungen verbunden war, waren die Ausbildungsmöglichkeiten für ein intelligentes Kind gesichert und die weiteren Aufstiegsmöglichkeiten vielfältig.
  • Eingegangene Verpflichtung gegenüber Gott, bei der Abwendung von Unheil, bei eigener oder Genesung eines Familienmitgliedes, etwas Gutes zu tun.
  • Gedenkgottesdienste oder Gebete zu Gunsten Verstorbener, so war ein Vergessenwerden bis zum Zeitpunkt des jüngsten Gerichts ausgeschlossen. Natürlich blieb man so auch seiner Verwandtschaft und seinen Nachkommen besser in Erinnerung.
  • weltliche Beweggründe wie Erbstreitigkeiten, oder zwischen sich und einem habgierigen Nachbarn ein kirchlich geschütztes Landstück einzuschieben.
Die Liste liesse sich beliebig verlängern, sie zeigt jedoch, dass auch durchaus weltliche Gedanken mitspielten.

Die kirchlichen Institutionen förderten nahe liegender weise solche Schenkungen, hatten aber auch oft jahrelange Rechtsstreitigkeiten deswegen auszutragen.

Da solche Landschenkungen unkontrolliert und puzzlehaft in der weiten Landschaft verteilt waren, war es das Bestreben, diese Stücke zu grossflächigerem Eigentum zusammenzuführen. Dies erfolgte dann per Tausch und Kauf. Eine weitere, mittelfristige Erwerbsquelle eröffnete sich speziell den Ritterorden mit Geldverleih. Diese verliehen Geld mit weitgehenden eigenen Pfändungsrechten an Adlige, oft im Wissen, dass die Rückzahlungsmöglichkeiten eher zweifelhaft waren. Nach Ablauf der Leihfrist erhoben sie dann Regress auf Land und weitere interessante Rechtstitel.

Generell müssen wir uns den mittelalterlichen Menschen als «Hoffender» in einer zukünftigen, besseren Welt, nach seinem irdischen Dasein vorzustellen versuchen. Es gab keine andere Stütze als der Glaube und keine vernebelnde Ablenkungen durch Konsum und Informationsflut der heutigen Zeit.
Das irdische Leben war eine zu bauende Brücke zum ewigen Leben, das uns von Christus vorausgesagt wurde