Johannes Stumpf 1500 – 1577/78

Chronist der Schweizer Geschichte

Geboren in Bruchsal (Deutschland) ausgebildet an den Universitäten Heidelberg und Freiburg im Breisgau. 1522 empfängt er die Priesterweihe im Münster zu Basel. Kurz darauf wurde der junge Johanniter als Prior (Verwalter) der Komturei Bubikon eingesetzt.

Der junge Prior erlebt eine aufregende Zeit im Zürcher Oberland. Vieles ist im Umbruch, neue religiöse Ideen insbesondere die Glaubensrichtung der Wiedertäufer findet viel Anklang beim Volk.

Die Kirche befindet sich in einer schweren Krise nicht nur religiöser Art, zum Beispiel durch den ausufernden Ablasshandel, sondern auch personell, viele der Klöster sind praktisch verweist, deren adlige Vorsteher leben oft auf ihren Schlössern fern aller Klosterinteressen.

Verschiedene Priester und Gelehrte an Universitäten versuchen die Kirche von innen her zu reformieren. Verschiedene Fürsten und auch lose Staatsföderationen, wie z.B. die Eidgenossen versuchen mit Tagsatzungsbeschlüssen Ordnung durchzusetzen. Den aufblühenden Städten und deren regierungsfähigen Bürgern geht es eher darum, die bestehende wirtschaftliche Vormachtstellung der Kirche zu brechen. Die Zeit der Reformation ist in vollem Gange.

Diese Zeitströmung ergibt auch, dass viele Wissenschaftler versuchen das bisherige Wissen zu ordnen und mit dem neu erfundenen Buchdruck (mit einzelnen Buchstaben) zu publizieren.

So kommt es zu einer ersten Zusammenfassung der „Schweizergeschichte“ der beiden Autoren Brennwald und Stumpf. Diese erste Fassung befriedigt letztlich keiner der Autoren, auch ist ein weiterer gelehrter Schriftsteller, Aegidius Tschudi (1505 – 1572) ebenfalls mit einer Schweizerchronik beschäftigt. Man steht also unter Zeitdruck, Johannes Stumpf versucht sich ein zweites Mal unter Beihilfe namhafter erfahrener Autoren wie Tschudi und Vadian. Der Wurf gelingt und 1547/48 erscheint die „Chronik der Eidgenossenschaft“ als gelungenes Werk beim Buchdrucker Froschauer in Zürich.

Die Chronik der Eidgenossenschaft bildet naheliegender weise ein Abbild der seinerzeitigen Geschichtsdarstellung die stark auf das „Gottgegebene“ und ebenso auf den realpolitischen Rückhalt basiert, dies ist bis heute ja nicht viel anders.

Tschudis viel später erschienene eigene Chronik ist mit politisch brisanten Aussagen viel zurückhaltender als der zürcherisch geprägte Stumpf. Zu bedenken ist, dass die damalige Eidgenossenschaft ein loses Gebilde von Staatsbündnissen von keineswegs gleichberechtigten Mitgliedern darstellt. Der Kampf um die politische Führungsrolle der Stadt- gegenüber den Landkantonen (z.B. Kappeler Milchsuppe) somit Agrarstandorte gegenüber Handels- und Gewerbestandorten ist im vollen Gange.

Was wir heute als blose Zusammenstellung von historischen Fakten zu einem Buch betrachten, hatte seinerzeit eine ungeheure politische Aussage.