Orden der Johanniter

Bereits die beiden Wörter beinhalten hunderte von Aussagen und Vorstellungen. Das Mittelalter als solches gibt es nicht, umfasst doch dieser künstlich benannte Zeitabschnitt, je nach Lehrmeinung von 500 oder 800 bis um 1520, also knapp 1000 Jahre.

Wenn wir heute unsere Zeit als „rasend/stressig“ bezeichnen, dürfen wir nicht einfach annehmen, dass im Mittelalter die Zeit sozusagen stillstand. Also für die damaligen Zeitgenossen keine Entwicklung, keine einschneidenden, unvorhersehbaren Geschehnisse ihr Leben geprägt hätten.

Das Weltbild und damit eng verbunden der damalige Wissenstand einzelner Personen wird ebenso verschieden gewesen sein wie heute. Der mittelalterliche Mensch ist weder dumm noch ungebildet, viel Wissen wird in mündlichen Erzählungen weitergegeben worden, vieles auch in schriftlicher Form abgefasst, aber im Laufe der Zeit verloren gegangen sein.

Natürlich weiss heute jedes Kind, dass die Erde kugelförmig ist und nicht flach wie die mittelalterliche Vorstellung. Aber wer war schon auf einem so hohen Berggipfel wo er die Erdkrümmung mit eigenen Augen wahrgenommen hätte, denn dass die Schiffe am Meereshorizont verschwinden, wusste jede küstenbewohnende Person auch im Mittelalter.

Trotzdem, die mittelalterliche Gesellschaft hier in Mitteleuropa war nach Ständen und nach strengen hierarchischen Systemen gegliedert, die aber in sich selber wandelbar und durchlässig waren.
Das nebenstehende Abbild zeigt unter der Obhut von Gottvater die drei irdischen Stände:
Geistlichkeit (kirchlichen Würdenträger vom Papst bis zum einfachen Mönch),
Adel (weltliche Würdenträger, vom Kaiser bis zum einfachen Ritter),
Arbeitendes, niederes Volk (wird als Bauern dargestellt. Gegen Ende des Mittelalters schiebt sich das städtische Bürgertum mit spezialisiertem Handwerk und Handel dazwischen).


Das Leben im Mittelalter war in vielen Lebensbereichen direkter, heftiger. Leben – Freud – Schmerz – Tod, nahe und alltäglich. Jede erwachsene Person kannte, nicht wie in unserer heutigen Gesellschaft, den Tod in seinen verschiedenen Facetten, bei Unfall, Krankheit, Siechtum und als Erlöser von Schmerz und Beschwerden.

Der allmächtigen Natur war man mit wenigen Ausnahmen schutzlos ausgeliefert. Ein einziges Gewitter oder eine Hagelschauer konnte die Ernte, ein Blitzschlag die Scheune und damit die behüteten Vorräte gänzlich vernichten.

Dies führte zu starken Familienbindungen, auf die man sich notgedrungen stützen musste, um nicht bei einem Unglück elendiglich im Strassengraben zu verenden.

Die einzige Sozialstruktur mit lokal recht dichtem, aber heterogenen Netz bildeten bis zu deren Zerschlagung in der Reformation(1520/1530), die kirchlichen Strukturen der verschiedenen Orden, mit Klöstern, Kranken- und Siechenhäuser, städtischen Amtssitzen und Kirchen sowie Komtureien.