Die Wulp und Ihre mittelalterlichen Bauperioden

Wenn wir uns hier erlauben, vier Architekturmodelle vorzustellen, dann nur um des besseren Verständnisses willen.

Wir, d.h. Thomas Bitterli als Grabungsleiter 1980/82, Heinrich Boxler als Geschichts- und Didaktikprofessor und Christoph Schweiss als Konservator und Erbauer dieser Modelle sind uns sehr wohl bewusst, wieviele Fragen ungelöst sind und dass hypothetische Lösungen hier dargestellt werden.

Die Modelle zeigen daher wie es gewesen sein könnte, nicht aber wie es gewesen sein muss.

Für alle Fachleute liegen auf den Vitrinenböden die Gesamtpläne mit den jeweiligen farblich betonten Grabungsbefunden auf.

4. Periode «Die Bauruine»

Der heute noch gut sichtbare letzte Bau wurde, wie erwähnt, nie fertiggestellt. Dies lässt sich an den heute noch sichtbaren Lücken in der damals neu aufgezogenen Ringmauer nachweisen. Aber auch bei der Grabung 1980-82 entdeckte man vorbereitete Fundamentgruben, deren Mauern anscheinend nie ausgeführt wurden.

An den heute noch sichtbaren Mauerresten scheint ca. 1 bis 2 Jahre, d.h. zwei Sommer lang gebaut worden zu sein. Mit der mittelalterlichen Mauertechnik respektive dem damaligen langsam abbindenden Mörtel konnten bei einer Mauerdicke von mehr als einem Meter keine Mauer mehr als 2m pro Jahr hochgezogen werden. Ansonsten drückte das auf ihr lastende Eigengewicht die unteren Schichten wieder auseinander.

Interessanterweise sind bei der neuen Ringmauer wie auch bei den eierförmigen Grundmauern des Eckturmes noch heute verschiedene Spolien (wiederverwendete Baukörper) sichtbar. Es handelt sich, wie auch in den früheren Grabungsprotokollen mehrfach erwähnt, um Sims- und Fenstergewände sowie Schartensteine. Nach neuerer Auffassung deutet dies, wie auch das Nichtvorhandensein von effektiven Spuren von Zerstörung und Brandschatzung darauf hin, dass der mächtige Viereckturm zu Beginn des Umbaues noch teilweise bestand und schrittweise die abgebauten Turmsteine direkt in die neue Ringmauer verbaut worden sind.

3. Periode «Der Turm und das Wohnhaus»

Als markantestes Zeichen dieser Bauperiode ist der mächtige, etwa 25m hohe Turm zu nennen, dessen drei Meter dicke Fundamentmauern noch heute zu sehen sind.

Dieser Turm wurde wohl um 1150 als Wohnturm erbaut. Einige Jahre danach scheinen die Burgbesitzer aber so wohlhabend gewesen zu sein, dass sie den dunklen, rauchigen Wohnturm verliessen und in das nebenan neu erstellte, feudale Wohnhaus umzogen.

In dieser Bauphase wurde eine kleine Brunnenzisterne eingerichtet. Das von den Dächern gesammelte Regenwasser wurde ihr mittels Tüchelleitungen zugeleitet.

Vor 1250 brannte das Wohnhaus bis auf seine Grundmauern nieder. Brände waren eine häufige Erscheinung und konnten bei den offenen Feuerstellen und Lichtquellen wie Kienspäne und Talglampen nie gänzlich vermieden werden.

2. Periode «Die steinerne Ringmauer»

Um das Jahr 1050 wurde aus dem kleineren, am hinteren Hang gelegenen Herrschaftssitz eine in unserem Sinn echte Burg. Ein massiver, meterdicker Mauerring umzog den ganzen Wulphügel. Die Wirkung der Mauer gegenüber Fremden und Nachbarn darf nicht unterschätzt werden, denn zu dieser Zeit waren gemeinhin noch alle Häuser aus Holz oder Fachwerk, selbst kirchliche Bauten bestanden oft noch aus Holz.

So muss einem Besucher die ca. 4 bis 5 Meter hohe Steinmauer als absolut gewaltiges Bauwerk vorgekommen sein. Auch das für unsere Begriffe eher einfache Wohnhaus hatte für diese Zeit beinahe fürstlichen Charakter.

In unseren Augen fehlt diesem Gebäudekomplex der Turm. Es ist hier zu sagen, dass gerade bei frühen Adelssitzen recht häufig kein Turm nachzuweisen ist.

Andererseits ist nicht auszuschliessen, dass unter den mächtigen Wohnturmfundamenten Reste eines kleineren Holzturmes verborgen sein könnten.

1. Periode «Die hölzerne Burg»

Die ersten Spuren eines herrschaftlichen Sitzes deuten auf das 8. Jahrhundert.

Es sind dies einige steinerne Mauersockel, die zu einem abgetieften Hausgrundriss gehören, sowie die Reste einer im Grundriss erhaltenen Feuerstelle.

Die an Hand der Holzkohlestücke durchgeführte C-14 Probe (zeitlicher Zerfall der Kohlenstoff-Atome) ergaben das Datum um 760 n.Chr. (Leider wurde nur eine Probe ausgewertet, so dass die frühe Datierung heute eher fraglich erscheint.)

Dieser Sitz bestand mit grosser Wahrscheinlichkeit aus mehreren Gebäuden und wurde vermutlich durch einen quer zum Hangsporen verlaufenden Graben gesichert.