Die Erforschung der Burgruine Wulp

von Dr Alfred Egli

Die Wulp-Forschung des 20. Jahrhunderts erfolgte in drei Phasen

1. Ausgrabungen 1920 - 1923

Die archäologische «Durchleuchtung» der «Wulp» nimmt ihren Anfang mit de Vorstandssitzung des Küsnachter Verschönerungsvereins vom 31. Januar 1918. im Protokoll der denkwürdigen Sitzung steht zu lesen: «Herr Präsident Bruppacher schlägt vor, auf der Wulp Ausgrabungen nach den Mauerrresten der früheren Burg vorzunehmen und der weiteren Verwitterung durch Abdeckung mit Zement zu begegnen. Wir wollen die wenigen geschichtlichen Denkmäler unserer Gemeinde, soweit noch möglich erhalten helfen. Der Vorschlag findet allgemeine Zustimmung, der Vorstand wird mit Herrn Baumeister Kruck den Platz aufsuchen.»
Im Frühlind 1920 beginnen die ersten Arbeiten auf dem Burghügel. Sie werden, wie der gewissenhafte Chronist und Aktuar des Verschönerungsvereins notiert, «in frühlicher, freiwilliger Fron durch Vorstands- und Vereinsmittglieder und weitere Freunde der Burgenkunde» geleistet. Im Verlaufe der vier Sommer 1920 - 1923 gelingt es, die Ruine der ehemaligen Feste Wulp ans Tageslicht zu befördern. Die wiederentdeckte Burg wird 1923 unter Bundesschutz gestellt.

2. Restaurierung durch Christian Frutiger und Froschungen von Karl Heid (1961/62)

Nach 40 Jahren unter freiem Himmel zeigen sich an Kronen und Fundamenten der Burgmauern Zerfallserscheinungen. Das mittelalterliche Gemäuer wird deshalb mit modernen Fundamentunterfangungen gesichert und der Mauerfuss seitlich vor Frost und Feuchtigkeit geschützt.
Die Grabungen von Karl Heitd weisen das Fundament eines frü¨heren Viereckturms mit den Ausmassen 8.6 auf 8.8 Meter nach. Sie dokumentieren ferner die Existenz von drei aufeinanderfolgenden Bauphsen der Wulp. Ein kreisrunder Mauerring kann definitiv als Zisterne identifiziert werden. Im westlichen Burghof werden 17 Sondiergräben angelegt. Dank der neuen Grabungsetappe ist es möglich, Genaueres über die Baugeschichte der «Wulp» zu erfahren.

Ausgrabungen 1980 - 1982

Ende 1978 beschliesst der Vorstand des VVK, eine neuerliche Etappe der Wulpforschung einzuleiten. Ein diesbezügliches Gutachten von Professor Werner Meyer bestärkt die Initianten in diesem Vorhaben.
Unter der Leitung von Thomas Bitterli wird im Juli/August 1980 der Südteil, 1981 die nördliche Hälfte des westlichen Burghofes flächenhaft untersucht; 1982 werden die Sondierungen ausserhalb der Burg erweitert und Flächen geöffnet, die bereits 1920-23 und 1961/62 untersucht wurden. Das Unternehmen fürhrt zur Entdeckung prähistorischer Keramik (Tonscherben der späten Bronzezeit); auch kommen römische Keramik und Münzen zum Vorschein.
Zahlreiche Gegenstände aus Eisen und Keramik werden aus dem Erdreich der «Wulp» geborgen. Wertvolle Hinweise zur Datierung der «Wulp» liefern die Geschirr- und Ofenbruchstücke. Sie legen den Schluss nahe, dass die Burg um 1250 verlassen wurde. Die schon 1961/62 geäusserte Annahme von drei Bauphasen der «Wulp» erhärtet sich.
Die jüngste Version der «Wulp» ist somit als Bauruine einzustufen. Die Sage von der Erstürmung und Schleifung der Burg anno 1267 durch die Zürcher lässt sich aufgrund der archäologischen Befunde nicht stützen.