Was trennt uns, was eint uns heute?

Längst haben zwinglianisch Reformierte und römisch-katholische Christen Anpassungen durchgeführt. Der Pendelausschlag hat sich verkürzt, wenn nicht weitgehend eingemittet.
  • Die ehemalige Grossmachtpolitik des päpstlichen Rom ist, spätestens seit den Lateranverträgen von 1929, einer stillen Vermittlerdiplomatie gewichen, wobei die seelsorgerische Verantwortung gegenüber allen Gläubigen keineswegs geringer geworden sein dürfte.
  • Die katholische Gegenreformation hat, nebst vielem anderen, die Mehrheit der gesellschaftlich anstössigen Extreme zurückgenommen, wenn nicht gar eliminiert.
  • Mit der Bildung des schweizerischen Staatswesens aufgrund der Bundesverfassung vom September 1848 verschwand der weltliche Rechtsanspruch der Kirche.
  • Die Bibel ist auch auf der katholischen Seite ins Zentrum des Wortgottes-dienstes gerückt worden.
  • Das zweite vatikanische Konzil vor 30 Jahren hat nach dem Wunsch von Papst Johannes XXIII «etwas frischen Wind in die Kirche geblasen». So wurde nebst einer Vielzahl von zeitgemässen Anpassungen, vierhundert Jahre nach Luther, auch das Lesen der heiligen Messe in den jeweiligen Landessprachen zugelassen.
  • In der reformierten Kirche hat die Instrumentalmusik längst wieder Einzug gehalten und bildet mit der einstimmenden Orgelmusik einen festen Bestandteil des Gottesdienstes.
  • Bildliche Darstellungen mit Gleichnischarakter sind auch in reformierten Kirchen oft liebgewonnene und wertvolle Ergänzungen für jung und alt.
Unsere heutigen gesellschaftlichen Probleme liegen wohl eher bei der Gewichtung von Ethik und Glauben gegenüber harten wirtschaftlichen und politischen Bekenntnissen und gegenüber individuellen, egoistischen Einzelinteressen. Nicht Gleichmacherei, nicht der kleinste gemeinsame Nenner macht die heutige Schweiz aus, sondern ihre Vielgestaltigkeit, die persönliche Freiheit und das Akzeptieren anderer.