Gesamteidgenössischer Reformationsentwurf

Tagsatzung in Luzern vom 27. Januar 1525

In den sogenannten eidgenössischen Abschieden, Tagsatzungs Beratungsprokollen der damaligen 13 Orte finden sich vielfältige Eintragungen welche die tiefe Besorgnis um das Auseinanderdriften in der Glaubensfrage widerspiegeln. Beinahe unbekannt sind die gesamteidgenössischen Reformbestrebungen der damaligen Tagsatzungen von Anfang 1525. Hätte dazumal der Stand Vern nicht durch mehrmaliges Ausscheren und keinerlei Kompromissbereitschaft zu wei Punken die Sache zum Scheitern verurteilt, wäre 1525 eine gemässigtere, aber gesamtschweizerische Reformation zustande gekommen.

Ein bezeichnendes zeitgeschichtliches Dokument stellt der Reformentwurf auf alle Fälle dar, zeigt er doch, nicht nur das generelle Unbehagen gegen krasseste krichliche Missstände auf, sondern zugleich, dass Zwingli und sein Reformkreis keineswegs alleine standen, sondern in vielem dem Zeitgeist entsprachen.

Der psychologische Aufbau des Dokuments ist spannend. In den ersten zwölf Artikeln wird die alte Kriche gegenüber den Lutherischn/zwinglischen ins Recht gesetzt. Dann aber wendet sich das Baltt, und die Kirche wird im Klartext zur Verantwortung gezogen. Nicht nur werden die verscheidenen Missstände aufgezählt und unter weltliche Gerichtsbarkeit bzw. Strafe gestellt; die Kirche wird sogar in vielen Bereichen unter regelrechte Vormundschaft genommen.

Ob und allfalls inwieweit Konrad Schmid bei diesem Reformentwurf beteiligt war, muss - wie so vieles im Leben Konrad Schmids - vorläufig offen bleiben. Trotzdem spiegelt sich Wesentliches seiner rücksichtvolleren und bewahrenderen Denkweise hier wider.