Küsnacht um 1525

Reformation und Komtur Konrad Schmid — ein Zeitbild

Temporär-Ausstellung Sommer 1996

Realisation und Text: Christoph Schweiss (Kurator bis 2006)

Hand aufs Herz: Was wissen wir über die Zeit um 1525? Oder über Konrad Schmid?

Seien wir ehrlich, eigentlich recht wenig.

Und offen gestanden:
Was können uns Menschen, die vor mehr als 450 Jahren lebten, überhaupt interessieren?

Eine geschichtliche Darstellung kann nie neutral und noch weniger objektiv sein. Sie ist immer ein subjektives, an Hand der überlieferten und gewerteten Fakten erstelltes, fragmentarisches Bild. Die in dieser Ausstellung gemachten Aussagen unterliegen alle einer starken Vereinfachung. Trotzdem ist es uns ein Anliegen, die Ereignisse und Gegebenheiten miteinander zu vernetzen und die Hauptpersonen als Menschen unter Menschen in ihrer Zeit darzustellen; nicht um sie vom «Sockel der Geschichte» zu stossen, sondern um zu zeigen, dass Abläufe, die im Rückblick folgerichtig erscheinen mögen, den betroffenen Personen in ihrem Alltag nicht immer bewusst waren.

Zwingli war zuerst katholischer Priester. Dabei wäre ihm wohl nie in den Sinn gekommen, dass er wenige Jahre später die damalige Eidgenossenschaft in der Glaubensfrage spalten und in einen Bruderkrieg führen würde. Genausowenig wäre der Komtur Konrad Schmid auf die Idee gekommen, dass er einst die ihm anvertraute Komturei schrittweise dem Stadtstaat Zürich übergeben würde. Die Reformationszeit und — stilgeschichtlich betrachtet — die Renaissance (Wiedergeburt der Antike) sind eine äusserst vielschichtige Epoche. Sie ist eine Zeit des Aufbruchs ins Unbekannte, der Abkehr vom Mittelalter, der Idealisierung historischer Persönlichkeiten, aber auch des Rückgriffs auf Sicheres und Bekanntes. Diese Zerrissenheit am Rande einer Zeitenwende ist unserer Situation an der Jahrtausendwende gar nicht so unähnlich

Wir hoffen, mit dieser Ausstellung etwas zum besseren Verständnis des zürcherisch-zwinglianischen Staatsdenkens, mit dem wir täglich in Berührung kommen, beizutragen. Ausserdem wollen wir Ihnen den Gebäudekomplex der heutigen Kantonsschule, der ehemaligen Johanniter-Komturei, etwas näherbringen. Zu dieser Ausstellung, die ein nicht ganz einfaches Thema behandelt, wünschen wir Ihnen viel Vergnügen.