Die Johanniter

Der Johanniterorden (milites hospitales Sancti Johannis Hierosolmytani) ist der älteste geistliche Ritterorden. Seine Mitglieder wurden in drei Klassen eingeteilt: in Ritter, Priester und dienende Brüder.

Um 1070 errichteten Kaufleute in Jerusalem ein Kloster und ein Hospital zur Betreuung kranker Pilger. Das Erkennungszeichen der Ordensritter war das gegabelte Kreuz, das als Johanniter- und später als Malteserkreuz bezeichnet wurde.

Im Zusammenhang mit den Kreuzzügen erweiterten die Johanniter ihren Einflussbereich im Mittelmeerraum und sorgten später für eine sichere Basis, indem sie in weiten Teilen Mitteleuropas Komtureien gründeten (= Verwaltungssitze, oft mit angegliedertem Spital).

Im östlichen Mittelmeerraum war der Orden beinahe dauernd in Auseinandersetzungen mit den türkischen Sultanen verwickelt. Für diese Kämpfe benötigten die Johanniter eine starke Ritterschaft, aber auch grosse Mengen an Geld und Material. Das dichte Netz von Komtureien lieferte den Nachschub. Das riesige Unternehmen konnte nur dank weitsichtiger und straffer Organisation erfolgreich sein. Die Komtureien und die Anerkennung als geistlicher Orden ermöglichten es den Johannitern, quer durch Europa, über alle Grenzen und Zollstellen hinweg, ohne wesentliche Gebühren Güter und Nachrichten zu transportieren.

Die Johanniterkommenden im Gebiet der heutigen Schweiz wurden zwischen 1180 und 1454 gegründet. In zeitlicher Reihenfolge waren dies Münchenbuchsee, Hohenrain, Rheinfelden, Basel, Bubikon, Contone, Thunstetten, Crausaz, Tobel, Freiburg, Leuggern, Salgesch, Compesières, Reiden, Hitzkirch, Wädenswil, La Chaux, Biberstein, Küsnacht und Biel.

Die Johanniter hatten von den Türken und Arabern ein reiches medizinischen Wissen übernommen und galten im Bereich der Krankenpflege als führend.

Als 1310 der Templerorden zwangsweise aufgelöst wurde, gewann der Johanniterorden im deutschsprachigen Raum zusätzlichen Besitz und Einfluss. 1522 verlor Grossmeister Philippe de Villiers nach langem Kampf den strategisch wichtigsten Mittelmeerstützpunkt Rhodos an den Sultan Suleiman II. Kaiser Karl V. stellte im Jahr 1530 dem Orden die Insel Malta zur Verfügung und übertrug ihm die Aufgabe, stets gegen die «Ungläubigen» zu kämpfen. Trotz seinem neuen Stützpunkt erlangte der Johanniter — oder — wie er nun auch genannt wurde — Malteserorden nie mehr seine frühere Bedeutung.Der Ordenszweig der Johanniter repräsentiert die reformatorische Glaubensrichtung, der Zweig der Malteser den der römisch katholischen. Heute kennen wir den Malteserorden in Deutschland noch als Organisation, die sich um den Spital- und Notfalldienst kümmert.