Bildung und Wissenschaft

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts verlor die Kirche ihre führende Stellung in Bildung und Wissenschaft. Universitäten (z.B. seit 1460 in Basel) und bürgerliche Stadtschulen traten an die Stelle der ehemaligen Klosterschulen. Die Stadtschulen waren z.B. mit den Fächern Rechnen und Schreiben auf die praktischen Bedürfnisse des bürgerlichen Lebens ausgerichtet, während die Klosterschulen Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelten, die — wie etwa Latein oder Gesang — im kirchlichen Leben wichtig waren.

Zur gleichen Zeit brachen die Humanisten zu neuen Ufern auf. Sie begannen geltende Lehrmeinungen zu hinterfragen, was zu einem ungeheuren Riss im bisherigen Glauben und Denken führte. Bei der Herausgabe des Neuen Testaments griff Erasmus von Rotterdam auf den lateinischen und griechischen Urtext zurück. Bislang lagen die Evangelien nur in überarbeiteten Varianten der alten Kirchenväter vor. Um dem Kirchenbann zu entgehen, widmete Erasmus sein Werk sicherheitshalber dem Papst selbst.

Das Infragestellen von bisher unangefochtenen Werten und Lehrmeinungen führte zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Althergebrachten und den neuen Erkenntnissen, die sich aus dem Studium der originalen Quellen ergaben. An den Universitäten und in ihrem Umfeld wurde eifrig geforscht, und die Humanisten standen untereinander in regem Briefwechsel. Vieles, was uns heutigen Menschen selbstverständlich ist, war damals keineswegs klar. Die Zeitgenossen nahmen den Bruch zwischen dem neuen, wissenschaftlichen Denken und der geschlossenen Denkweise des tradierten Glaubens kaum in seiner Tragweite wahr.

In dieser Welt des geistigen Aufbruchs müssen wir den angehenden Komtur Konrad Schmid und den in Ausbildung stehenden Priester Huldrych Zwingli sehen. Beides sind hochintelligente Männer, und beide führt der Weg — mit geringer zeitlicher Verschiebung — an die Universität Basel, die zu dieser Zeit ein Zentrum des europäischen Geisteslebens war. Schmid scheint sich schon bald dem humanistischen Kreis um Erasmus angeschlossen zu haben, während Zwingli Jahre später verärgert schreiben wird, er habe Jahre mit einem nutzlosen Scholastikstudium vertan (er meinte damit vor allem die mittelalterliche Theologie), bevor er den richtigen Weg gefunden habe.

Prägend bleibt für beide das In-Frage-stellen-Dürfen, die persönliche Begegnung mit Geistesgrössen von europäischem Rang und der spätere offene Gedankenaustausch in Briefen. Nicht zu vergessen ist die Wirkung des Buchdrucks (z.B. Froben in Basel, Froschauer in Zürich). Er machte die Verbreitung umfangreichen Schrifttums erst möglich und sorgte dafür, dass kirchliche Reformgedanken rasch auch in die Eidgenossenschaft gelangten.