Gesellschaft an der Zeitwende

Die Eidgenossenschaft von 1525 war ein lockeres, uneinheitliches Zweckbündnis von 13 selbständigen Orten. Einige Zugewandte Orte standen in einer losen Beziehung zu diesem Bündnis. Stadt- und Länderorte besassen Untertanengebiete, die sie zum Teil allein, zum Teil gemeinsam verwalteten.

Die mittelalterliche Gesellschaft setzte sich aus Geistlichen, Adligen, Freien und Bauern zusammen.

Mit dem Aufstieg der Städte kam eine neue Kraft ins Spiel: das städtische Bürgertum, in dem die Handwerker und ihre Zünfte eine wichtige Rolle spielten. In den Stadt- wie in den Länderorten lag die Macht in den Händen regierungsfähiger Familien, während Knechte, Mägde und Hintersassen (Einwohner ohne Bürgerrecht) nichts zu sagen hatten.

Die gesellschaftliche Situation widerspiegelte sich im täglichen Leben: Hier herrschte bodenlose Armut, dort Verschwendung und Prunksucht. Mit Sitten- und Kleidermandaten (= amtliche Vorschriften) versuchte die Obrigkeit, dem zügellosen Leben Einhalt zu gebieten. Die Wirkung blieb offensichtlich bescheiden.Sitten und Sprache waren rauh, besonders bei einem Teil der Jugend. Ein nichtiger Anlass konnte Grund genug sein, dass Horden von Rauflustigen plündernd und brandschatzend durchs Land zogen, wie das etwa der Zug nach Konstanz von 1495 beweist.

Die Obrigkeit, die unter sich selbst zerstritten war, musste dem Treiben machtlos zusehen. Mit Geldgaben und Nahrungsmitteln hielten die Städte diese Horden fern. Die Landbevölkerung jedoch war ihnen schutzlos ausgeliefert.

In der Schlacht von Marignano, die Zwingli als Feldprediger miterlebte, hatten eidgenössische Söldnerkontingente im Dienst der beiden Kriegsparteien gegeneinander gekämpft. Die Niederlage führte nicht zu einem Umdenken. Die Eidgenossen stritten vielmehr darüber, welcher Kriegspartei man weiterhin Söldner schicken wolle.

Die alten Naturalabgaben für Zehnten, Zinsen und Steuern wurden immer mehr durch Geldabgaben ersetzt. Dies führte dazu, dass Edelmetall bald zur Mangelware wurde. Oft prägte man Münzen, die dem vorgegebenen Wert nicht entsprachen und die deshalb in anderen Teilen der Eidgenossenschaft nicht angenommen wurden. Sie galten als «verrufen».Für die Kirche waren die Steuer-, Bussen- und Ablassgelder, die Spenden und Almosen eine wichtige Einnahmequelle. Das Edelmetall, das hier zusammenkam, wurde meist zu kunstvollen liturgischen Gegenständen, aber auch zu Münzen und Barren verarbeitet.