Chusenacho - Römer bei uns

Temporärausstellung Sommer 2002

In Zusammenarbeit mit Kantonsarchäologie Zürich

Fundus Cossinacus = Landgut des Cossinius,
nach Hugo Glättli, Küsnacht 1984

Was will diese Ausstellung, warum diese Themenwahl?
Küsnacht als Nabel des römischen Imperiums? Wohl kaum. Vielmehr wollten wir mit dieser Ausstellung versuchen, die wenigen lokalen Resten aus römischer Zeit ins rechte Licht zu rücken.

Auch auf Küsnachter Boden gibt es immer wieder Funde aus römischer Zeit. Die wohl bekannteste Fundstelle ist der von Heinz Rimensberger 1978 entdeckte römische Gutshof auf der hinteren Allmend, Rehweid/Amtsäger. Weitere Funde stammen aus Itschnach/Schübel und aus dem Gebiet der Wulp.

Wichtig scheint uns zu wissen, dass wir damit nicht allein dastehen, sondern dass in der ganzen Region viele römische Fundstellen zu verzeichnen sind.
Die Forschung ist keineswegs abgeschlossen. Nach wie vor tauchen immer wieder neue Fundstellen auf (Bautätigkeit), zudem wird heute ein Fundkomplex immer mehr nach differenzierten Fragestellungen eingehend untersucht.

So dachte man bis vor wenigen Jahren, ein römischer Gutshof sei ein Grossbetrieb für den Eigenbedarf gewesen. Oft hörte man, er wäre von entlassenen Legionären gebaut worden.
Heute weiss man dank sorgfältiger Untersuchung z. B. von Getreideresten, dass es sich um spezialisierte Produktionsstätten von einigen ausgewählten, geldbringenden Landwirtschaftsprodukten handelte. Die effektiven Eigentümer waren finanzkräftige Unternehmer, die vermutlich über mehrere Generationen so ein Gut bewirtschaften liessen.

Gerade das seinerzeit um 50 vor Christus auf uns überkommene römische Verwaltungssystem und die römische Lebensführung waren ja auf Integration der „eroberten“ Gebiete und deren Bevölkerung ausgerichtet.
Die Durchmischung der ansässigen Bevölkerung mit niedergelassenen Militärs, Verwaltungsbeamten und Händlern, später auch mit zustossenden germanischen Gruppierungen verlief schleichend, schrittweise über rund 500 Jahre. Mit der Einflussnahme um 52 v. Chr. wurde nicht schlagartig alles anders. Dasselbe gilt für den Rückzug des Militärs um 454 n. Chr., die römische Staatsmacht und ihr Einfluss war lange vorher einem allmählichen Zerfall unterworfen.

So wenig wir heute wissen, was in den nächsten hundert Jahren auf uns zukommen wird, so wenig wusste das die Bevölkerung damals.
Rückblickend, im Zeitrafferschema wirkt manches logisch und schlüssig, was damals gar nicht zu erkennen war.
Die Schwankungen in sogenannten Hochkulturen können erst im nachhinein als Wellenbewegung oder als Zusammenbruch interpretiert werden.

Wir danken allen stillen, unermüdlichen Helfern und Leihgebern, insbesondere der Kantonsarchäologie Zürich, Münzkabinett Winterthur und der Gruppe „cives rauraci et vicani vindonissenses“ aus Windisch.

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen

Ihr Museumsteam