Bevölkerung in römischer Zeit

Zwei Punkte vorweg: Während des rund 500 Jahre dauernden, direkten römischen Einflusses veränderte sich vieles in verschiedener Hinsicht, es kann daher keine Beschreibung für die gesamte Zeit gelten.
Das kluge römische Expansionssystem integrierte die bestehenden Strukturen. So wurden z.B. Stammesgrenzen übernommen. Die lokale Führungsschicht, Häuptlinge und Stammesfürsten, bekamen sehr rasch das römische Bürgerrecht und wurden in leitenden Positionen eingesetzt.

Glauben und Brauchtum konnten beibehalten werden. Durch angesiedelte Militärs, Kaufleute etc. kamen weitere Glaubensrichtungen hinzu. Für alle verbindlich war nur die Verehrung des gottähnlichen römischen Kaisers.

Mit dem militärischen Vordringen des römischen Heeres verschwand die ansässige Bevölkerung keineswegs.
Bereits Caesar schickte die geschlagenen Helvetier und Rauriker zurück in ihr ursprüngliches Siedlungsgebiet. Allfällige bereits nachgestossene germanische Stämme erhielten ebenfalls Siedlungsräume zugewiesen.

Die Bevölkerung wurde durch eingeschleppte Krankheiten und Seuchen dezimiert, die hohe Kindersterblichkeit aber verhinderte generell eine grosse Bevölkerungszunahme.
Die Bevölkerung wurde langsam romanisiert, d.h. durch die Einbindung der lokalen Führungsschicht in römische Staatsämter und die Verleihung des Bürgerrechts übernahm sie langsam die römische Lebensweise und vermittelte sie ohne Zwang weiter.
Die römische Lebensweise zeichnete sich durch eine starke Spezialisierung des Handwerks und damit des Lebensunterhaltes aus. Zudem war sie gerade in der Landwirtschaft auf Massenproduktion einzelner Nahrungsmittel ausgerichtet. Dies ergab automatisch eine Siedlungsstruktur von Handwerksbetrieben, Dienstleistungen und ganz speziell der römischen Verwaltung und Beamtentätigkeit.
Generell ist für die Zeit eine zentralisierte Siedlung zu vermerken, entgegen der früheren verstreuten und häufig autonomen Wohn- und Lebenstätigkeit. Grössere Siedlungen zählten oft mehrere tausend Bewohner.

Ü ber die ganze römische Zeit hinweg blieben aber Brauchtum und Mode der einzelnen Stämme bestehen und lebten nach dem römischen Rückzug teilweise vermehrt wieder auf.

Parallel dazu gab es die grossen militärischen Lager und die kleineren ständig bewachten Festungsbauten. Die Militärs betrieben auch eigene Produktionen, wohl die bekannteste sind die Ziegel, die oftmals den Legionsstempel als Markenzeichen eingeprägt tragen.
Ausgediente Soldaten, Legionäre und Hilfstruppen erhielten bei ihrem Abgang nach 20/25 Dienstjahren das römische Bürgerrecht und normalerweise ein grösseres Stück Land zugewiesen. Oft siedelten sich die Veteranen einer Legion (pensionierte Soldaten einer römischen Armee) in einer sogenannten Colonia an, z.B. Colonia Augusta Raurica. Dadurch wurde wiederum die Verbreitung der römischen Lebensweise in den zu integrierenden Gebieten vorangetrieben.