Kosmetik und Frisur — im Lauf der Zeit

Vergleicht man diese «Kopfparade» aus modischer Sicht, so wird auch hier klar, dass viele kausale und entwicklungstechnische Zusammenhänge bestehen.

Die Haar- und Körperkosmetik machte gewaltige Fortschritte vom oberflächlichen Farbauftrag zu medizinisch wirksamen Pflege- und Dekorativprodukten. Der Wunsch nach dem vollkommenen Körper, athletischem Aussehen und knackiger Bräune erlebte in den 80er Jahren einen unglaublichen «Machbarkeits–Boom».
Die Schönheitschirurgen halfen mit dem Skalpell dort nach, wo die Natur nicht alles nach Wunsch eingerichtet hatte.

Längst sind die Eingriffe subtiler geworden. Aber Eingriffe bei Jung und Alt beiderlei Geschlechts wie Absaugen, Unterspritzen, Straffen und vieles mehr ergeben heute ein fliessendes Behandlungsmuster zwischen Kosmetik, Wellness und Chirurgie.

Was neu erscheint, ist das Gestalten eines «Gesamtkunstwerkes». Was früher, überspitzt, mit einem farblich zum Kleid passenden Blumensträusschen kombiniert wurde, wird heute gesamtheitlich gestaltet.
Periodisch werden einem regelrechte «Check-Listen» ins Haus geschickt: Stimmt Ihre Busengrösse, haben Sie nicht zu viel Fett am Bauch oder an den Oberschenkeln? Sind Ihre Zahnreihen komplett? Gefällt Ihnen ihre Augenfarbe noch?

Da ist der freundliche Hinweis beim Coiffeurbesuch: «Wollen wir nicht einige Mèches in Ihrer jugendlichen Naturfarbe probieren?» – ganz harmlos.

Auffällig sind heute Trends wie farbliche und geometrische Kontraste, die sich nicht mehr an den Naturfarben der Haare, Augen oder Lippen orientieren. Mit dem Aufkommen der farbigen Sun-Blocker und der schrittweisen Einführung der gesamten künstlichen Haar-Farbpalette in Rot sind Kunstfarben bis hin zu blauen Mèches durchaus gesellschaftlich akzeptiert.
Dazu gehören für die «jugendliche» Generation auch Piercings und mehr oder weniger dauerhafte, dekorative Make-ups, Körperbemalungen und Tattoos.